Zweifel am Kinderwunsch?
Finde heraus, was du
wirklich willst

Zweifel am Kinderwunsch sind etwas Gutes, denn sie zeigen, dass du bewusst über diese wichtige Entscheidung nachdenkst. Sie helfen, Werte und Ziele zu hinterfragen und herauszufinden, ob der Wunsch aus dem eigenen Inneren kommt oder von außen beeinflusst ist. Problematisch wird es jedoch, wenn die Ambivalenz ungelöst bleibt und zur Belastung wird. Hier findest du Fragen und Aspekte, die dir dabei helfen können, Klarheit zu gewinnen.

Zweifel am Kinderwunsch

Den inneren Konflikt lösen

Aus Erfahrung wissen wir alle, dass sich Konflikte in aller Regel nicht einfach von selbst lösen. Egal, ob es um einen Konflikt unter Kollegen oder in der Familie geht. Gute Lösungen können erst dann entstehen, wenn wir uns aktiv mit einem Problem auseinandersetzen.

 

So ist das auch bei einem zwiespätligen Kinderwunsch. Erst, wenn man sich aktiv damit befasst, kann es sich innerlich ordnen und beruhigen. Nach und nach wird klarer, was man wirklich möchte.

 

Bevor du dich mit meinen Fragen zum Thema Kinderwunsch beschäftigst, möchte ich drei Aspekte ansprechen, die die Entscheidungsfindung unterstützen:

 

  1. Halte deine Gedanken und Gefühle schriftlich fest. Wenn du deine Antworten auf die Fragen aufschreibst, verlangsamt sich dein Denken und es unterbricht deine gewohnten automatischen Denkschleifen. So öffnest du dich leichter neuen Gedanken.
  2. Setze dir ein bewusstes Zeitfenster. Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist existenziell und ein Prozess, der Zeit braucht. Ich empfehle dir, den Entscheidungsdruck ein wenig rauszunehmen. Es hilft, wenn du dir einen Zeitraum von mehreren Monaten zugestehst, in dem du den Kinderwunsch aktiv reflektierst und prüfst.
  3. Nimm dich an, trotz deines Zwiespalts. Du könntest dir beispielsweise sagen: „Auch wenn mich meine Unentschiedenheit stresst, bin ich bei mir in Sicherheit und gehe souverän meinen Weg.“ Oder „Auch wenn es mich ärgert, dass ich beim Thema Kinderwunsch so hin- und hergerissen bin, achte und schätze ich mich so wie ich bin.“ Wenn das schwer auszusprechen ist, kann der zweite Satzteil „verdünnt“ werden.  „…mag ich mich, so gut ich eben kann.“Oder „… gefällt mir der Gedanke, dass ich trotzdem ok bin.“

Fragen zum Zweifel am Kinderwunsch

Hier ist eine Liste von Fragen, die du dir stellen kannst. Nimm dir Zeit und beginne am besten mit Fragen, die dir leicht fallen. Hilfreich kann es sein, die eigenen Gedanken mit einer vertrauten Person zu reflektieren.


Wenn ihr in einer Partnerschaft lebt, können euch diese Fragen dabei helfen, eure Wünsche und Bedürfnisse im Hinblick auf das gemeinsame Leben zu besprechen.


Wenn du allein nicht weiterkommst, dann suche dir einen professionellen Unterstützer oder Untersützerin. TherapeutInnen, Coaches oder BeraterInnen können dir helfen,  unvereinbare Gedanken und Gefühle zu sortieren und den Prozess in geordnete Bahnen zu lenken.


Hier nun einige Fragen:


  1. Wie fühlst du dich, wenn du an das Thema Kinder denkst?
  2. Was bedeutet es für dich, Mutter / Vater zu sein?
  3. Welche Werte sind dir in deinem Leben besonders wichtig, und wie könnten diese Werte die Entscheidung beeinflussen, ob du Kinder haben möchtest?
  4. Wie würde sich deine Beziehung zu deinem Partner / Partnerin verändern, wenn ihr Kinder habt?
  5. Welche Sorgen und Ängste hast du im Hinblick auf das Elternwerden?
  6. Was würde dir helfen, um dich sicher in deiner Entscheidung zu fühlen?
  7. Wie würdest du dein Leben in 5 oder 10 Jahren sehen, wenn du dich für oder gegen Kinder entscheidest?
  8. Wie sieht das Leben ohne Kinder für dich aus?
  9. Was sind die größten Vorteile, die du für dich in der Entscheidung für Kinder siehst?
  10. Wie würde dein Leben ohne Kinder im Hinblick auf Freiheit, Reisen oder Karrieregestaltung aussehen?
  11. Welche Rolle spielt die gesellschaftliche Erwartung oder der Druck in deiner Entscheidung?
  12. Was passiert, wenn du die „biologische Uhr“ einmal außen vorlässt? Welche anderen Faktoren spielen dann eine Rolle in deiner Entscheidung?
  13. Wie beeinflusst diese Entscheidung deine beruflichen und persönlichen Ziele?
  14. Wie würdest du dich fühlen, wenn du dich gegen Kinder entscheidest?
  15. Angenommen, du hast dich entschieden. Was ist dann anders in deinem Leben?

Die eine Stimme, die zählt

Bei einem ambivalenten Kinderwunsch können die widersprüchlichen Gedanken im Kopf so laut sein, dass sie die leise Stimme des Herzens übertönen.

 

Doch genau diese Stimme zählt. Das Herz gibt die Richtung vor. Die oben genannten Fragen können dabei helfen, die Stimme und Haltung des Herzens zu eigenen Kindern klarer wahrzunehmen.

 

Vielleicht denkst du jetzt empört: „Es braucht doch auch Vernunft!“ Zurecht. Eine Entscheidung aus dem Herzen zu treffen bedeutet nicht, unüberlegt oder kopflos zu handeln. Vielmehr gibt eine Herzensentscheidung dem Verstand eine klare Richtung vor.

 

Doch statt weiterhin nach „Ja, aber“-Argumenten zu suchen, bekommt der Verstand eine neue Aufgabe. Nämlich Lösungen und Wege zu finden, die die Haltung des Herzens unterstützen.

 

Hier einige Beispiele:

 

  • Wenn du Sorge hast, ohne Kinder im Alter einsam zu werden, dann sprich mit älteren Menschen, die sich trotz Kinderlosigkeit integriert fühlen.
  • Wenn du befürchtest, dass sich bei deinen Kindern deine eigenen schwierigen Kindheitserfahrungen wiederholen, kann dir ein Therapeut oder Coach helfen, die Sorge zu hinterfragen.
  • Wenn du denkst, als Mutter oder Vater vielleicht zu viel Freiheit zu verlieren, dann mach dir ein eigenes Bild. Verbringe Zeit mit Kindern von Freunden und Verwandten und sprich mit den Eltern über deren Erfahrung.
  • Wenn du dir nicht sicher bist, wie dein Partner / deine Partnerin zum Kinderwunsch und zum Leben als Familie steht, dann sprecht offen und ehrlich miteinander.
  • Wenn du dir Kinder wünschst aber glaubst, nicht glücklich sein zu dürfen, dann lohnt es sich herauszufinden, warum du das denkst und ob das wirklich stimmt.
  • Wenn du dich gedrängt fühlst, Mutter oder Vater zu werden, weil du erst dann eine richtige Frau, bzw. ein richtiger Mann bist, dann frage dich, ob das wirklich deine eigene Meinung ist.
  • Wenn du dich fragst, ob du Beruf und Familie überhaupt unter einen Hut bringen würdest, dann sprich mit Menschen, die in dieser Situation leben.
 

Niemand weiß, welche Folgen eine Entscheidung letztendlich haben wird. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass ich zu Entscheidungen, bei denen mein Herz den Ausschlag gab, auch rückblickend gut stehen kann.

Zweifel während der Kinderwunsch-Behandlung

Selbst während einer Kinderwunschbehandlung können ambivalente Gedanken aufkommen. Vielleicht fragst du dich: „Mache ich das Richtige?“ „Greife ich zu sehr in die Natur ein?“ „Warum tue ich mir das an?“ „Bin ich einem Kind überhaupt gewachsen?“ In unseren Coaching Gesprächen berichten viele Frauen, wie schambehaftet sie diese Unsicherheit empfinden, gerade in einer Phase, in der sie nach außen hin scheinbar schon eine klare Entscheidung getroffen haben.

 

 

Eine Kinderwunschbehandlung ist für jeden Menschen eine neue Situation, die unerwartete körperliche und mentale Herausforderungen mit sich bringt. Selbstzweifel sind hier ganz normal.

 

 

Ungünstig ist es, wenn der Zweifel die Gedanken bestimmt und ungelöst stehen bleibt. Das kann auf Dauer ernsthafte Folgen haben – von anhaltender innerer Unruhe bis hin zu Depressionen und körperlichen Beschwerden.

 

 

Deshalb möchte ich dir ans Herz legen, deinen Zwiespalt nicht zu verdrängen oder allein mit dir auszutragen. Es ist in Ordnung, innezuhalten und dich zu fragen, was du wirklich möchtest. Es ist O.K. und keine Schwäche, professionelle Unterstützung von TherapeutInnen, Coaches oder BeraterInnen anzunehmen. Sie urteilen nicht und können dir dabei helfen, Unklares zu sortieren und Gewissheit in deinen Entscheidungen zu gewinnen.

Eine bewusste Wahl zu treffen ist gut - trotz aller Unsicherheiten

Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, keine Garantie dafür ist, dass es tatsächlich klappt. Selbst unter besten Voraussetzungen bleibt offen, ob und wann eine Frau schwanger wird. Diese Unsicherheit gehört leider zu diesem Weg dazu.

 

Trotzdem ist es gut, eine bewusste Entscheidung für oder gegen Kinder zu treffen – und dazu zu stehen, solange keine wirklich stichhaltigen Gründe dagegen sprechen. Eine klare Entscheidung beendet das zermürbende Gedankenkarusell. Die Kraft, die du für das ewige Hin- und Her aufgebracht hast, steht dann wieder frei zur Verfügung. Das macht dich beweglich und hilft dabei, dich wieder lebendig und aktiv handelnd zu erleben.

Die Autorin

Claudia Moser ist Systemische Coach und ausgebildete PEP®-Anwenderin. Sie hilft Menschen mit Kinderwunsch dabei, Stress abzubauen und zuversichtlich und selbstbestimmt den eigenen Weg zu finden. Claudia kennt die Herausforderungen eines unerfüllten Kinderwunsches aus dem eigenen Leben. Sie lebt mit ihrem Mann in Karlsruhe, liebt Trekkingtouren im Himalaya und spontane Kochabende mit Freunden.

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