Zweifel am Kinderwunsch sind etwas Gutes, denn sie zeigen, dass du bewusst über diese wichtige Entscheidung nachdenkst. Sie helfen, Werte und Ziele zu hinterfragen und herauszufinden, ob der Wunsch aus dem eigenen Inneren kommt oder von außen beeinflusst ist. Problematisch wird es jedoch, wenn die Ambivalenz ungelöst bleibt und zur Belastung wird. Hier findest du Fragen und Aspekte, die dir dabei helfen können, Klarheit zu gewinnen.
Aus Erfahrung wissen wir alle, dass sich Konflikte in aller Regel nicht einfach von selbst lösen. Egal, ob es um einen Konflikt unter Kollegen oder in der Familie geht. Gute Lösungen können erst dann entstehen, wenn wir uns aktiv mit einem Problem auseinandersetzen.
So ist das auch bei einem zwiespätligen Kinderwunsch. Erst, wenn man sich aktiv damit befasst, kann es sich innerlich ordnen und beruhigen. Nach und nach wird klarer, was man wirklich möchte.
Bevor du dich mit meinen Fragen zum Thema Kinderwunsch beschäftigst, möchte ich drei Aspekte ansprechen, die die Entscheidungsfindung unterstützen:
Hier ist eine Liste von Fragen, die du dir stellen kannst. Nimm dir Zeit und beginne am besten mit Fragen, die dir leicht fallen. Hilfreich kann es sein, die eigenen Gedanken mit einer vertrauten Person zu reflektieren.
Wenn ihr in einer Partnerschaft lebt, können euch diese Fragen dabei helfen, eure Wünsche und Bedürfnisse im Hinblick auf das gemeinsame Leben zu besprechen.
Wenn du allein nicht weiterkommst, dann suche dir einen professionellen Unterstützer oder Untersützerin. TherapeutInnen, Coaches oder BeraterInnen können dir helfen, unvereinbare Gedanken und Gefühle zu sortieren und den Prozess in geordnete Bahnen zu lenken.
Hier nun einige Fragen:
Bei einem ambivalenten Kinderwunsch können die widersprüchlichen Gedanken im Kopf so laut sein, dass sie die leise Stimme des Herzens übertönen.
Doch genau diese Stimme zählt. Das Herz gibt die Richtung vor. Die oben genannten Fragen können dabei helfen, die Stimme und Haltung des Herzens zu eigenen Kindern klarer wahrzunehmen.
Vielleicht denkst du jetzt empört: „Es braucht doch auch Vernunft!“ Zurecht. Eine Entscheidung aus dem Herzen zu treffen bedeutet nicht, unüberlegt oder kopflos zu handeln. Vielmehr gibt eine Herzensentscheidung dem Verstand eine klare Richtung vor.
Doch statt weiterhin nach „Ja, aber“-Argumenten zu suchen, bekommt der Verstand eine neue Aufgabe. Nämlich Lösungen und Wege zu finden, die die Haltung des Herzens unterstützen.
Hier einige Beispiele:
Niemand weiß, welche Folgen eine Entscheidung letztendlich haben wird. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass ich zu Entscheidungen, bei denen mein Herz den Ausschlag gab, auch rückblickend gut stehen kann.
Selbst während einer Kinderwunschbehandlung können ambivalente Gedanken aufkommen. Vielleicht fragst du dich: „Mache ich das Richtige?“ „Greife ich zu sehr in die Natur ein?“ „Warum tue ich mir das an?“ „Bin ich einem Kind überhaupt gewachsen?“ In unseren Coaching Gesprächen berichten viele Frauen, wie schambehaftet sie diese Unsicherheit empfinden, gerade in einer Phase, in der sie nach außen hin scheinbar schon eine klare Entscheidung getroffen haben.
Eine Kinderwunschbehandlung ist für jeden Menschen eine neue Situation, die unerwartete körperliche und mentale Herausforderungen mit sich bringt. Selbstzweifel sind hier ganz normal.
Ungünstig ist es, wenn der Zweifel die Gedanken bestimmt und ungelöst stehen bleibt. Das kann auf Dauer ernsthafte Folgen haben – von anhaltender innerer Unruhe bis hin zu Depressionen und körperlichen Beschwerden.
Deshalb möchte ich dir ans Herz legen, deinen Zwiespalt nicht zu verdrängen oder allein mit dir auszutragen. Es ist in Ordnung, innezuhalten und dich zu fragen, was du wirklich möchtest. Es ist O.K. und keine Schwäche, professionelle Unterstützung von TherapeutInnen, Coaches oder BeraterInnen anzunehmen. Sie urteilen nicht und können dir dabei helfen, Unklares zu sortieren und Gewissheit in deinen Entscheidungen zu gewinnen.
Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, keine Garantie dafür ist, dass es tatsächlich klappt. Selbst unter besten Voraussetzungen bleibt offen, ob und wann eine Frau schwanger wird. Diese Unsicherheit gehört leider zu diesem Weg dazu.
Trotzdem ist es gut, eine bewusste Entscheidung für oder gegen Kinder zu treffen – und dazu zu stehen, solange keine wirklich stichhaltigen Gründe dagegen sprechen. Eine klare Entscheidung beendet das zermürbende Gedankenkarusell. Die Kraft, die du für das ewige Hin- und Her aufgebracht hast, steht dann wieder frei zur Verfügung. Das macht dich beweglich und hilft dabei, dich wieder lebendig und aktiv handelnd zu erleben.
Claudia Moser ist Systemische Coach und ausgebildete PEP®-Anwenderin. Sie hilft Menschen mit Kinderwunsch dabei, Stress abzubauen und zuversichtlich und selbstbestimmt den eigenen Weg zu finden. Claudia kennt die Herausforderungen eines unerfüllten Kinderwunsches aus dem eigenen Leben. Sie lebt mit ihrem Mann in Karlsruhe, liebt Trekkingtouren im Himalaya und spontane Kochabende mit Freunden.