Stress bei Kinderwunsch:
7 Wege zu mehr Gelassenheit

Von Claudia Moser, Systemische Coach bei Kinderwunsch

Ruhiger See mit Steg als Symbol für Gelassenheit und innere Ruhe bei Stress im Kinderwunsch

Warum Kinderwunsch so viel Stress auslösen kann

Wenn ein Kinderwunsch lange unerfüllt bleibt, kostet das oft viel Kraft. Mit der Zeit kann sich das Thema immer stärker in Gedanken, Alltag und Entscheidungen schieben.

Aus meiner eigenen Kinderwunschzeit kenne ich die dauernde gedankliche Präsenz des Themas. Offene Fragen gingen mit ins Bett und waren morgens oft sofort wieder da. 

Dazu können ganz unterschiedliche Herausforderungen beitragen:

Stress ist nicht grundsätzlich schlecht. Er hilft uns, auf Anforderungen zu reagieren und schwierige Situationen zu bewältigen. Belastend wird er vor allem dann, wenn er über längere Zeit anhält und Erholung zu kurz kommt.

Vieles, was in der Kinderwunschzeit Stress auslösen kann, lässt sich nicht vermeiden. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, selbst Einfluss darauf zu nehmen, wie belastend diese Zeit wird. Das kann helfen, die eigenen Kräfte zu schonen, psychisch möglichst stabil zu bleiben und das Leben auch in dieser Zeit lebenswert zu halten.

Mehr darüber, wie sich ein unerfüllter Kinderwunsch psychisch auswirken kann, findest du unter Kinderwunsch und Psyche.

7 Wege zu mehr Gelassenheit bei Kinderwunsch

1. Eigene Bedürfnisse ernst nehmen

Vieles im Alltag richtet sich nach dem Zyklus, dem nächsten Versuch oder anstehenden Untersuchungen und Behandlungen. Dabei geraten Dinge, die für das eigene Wohlbefinden wichtig sind, leicht in den Hintergrund.

Verabredungen werden abgesagt, Erholung aufgeschoben oder Dinge gestrichen, die sonst guttun und Kraft geben. So kann sich das Leben zunehmend um den Kinderwunsch herum organisieren.

Dabei lohnt sich immer wieder die Frage: Was brauche ich gerade – und was sorgt im Alltag für Ruhe, Erholung oder Entlastung?

2. Den Körper gut versorgen

Eine anstrengende Kinderwunschzeit kann auch das Verhältnis zum eigenen Körper verändern. Gerade wenn er nicht so „funktioniert“, wie man es sich wünscht, können Frust oder Misstrauen entstehen.

Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass auch der Körper in dieser Zeit einiges zu bewältigen hat. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung und Erholung unterstützen ihn dabei und tragen dazu bei, die eigenen Kräfte zu erhalten.

3. Die Beziehung nicht aus dem Blick verlieren

Auch die Partnerschaft kann durch die Kinderwunschzeit herausgefordert werden. Beide gehen nicht unbedingt gleich damit um: Einer möchte viel darüber sprechen, der andere braucht eher Abstand. Das muss nicht bedeuten, dass dem einen der Kinderwunsch weniger wichtig ist.

Gemeinsame Zeit und Unternehmungen können kleine Auszeiten vom Kinderwunsch schaffen und andere Seiten eurer Beziehung wieder stärker spürbar machen.

Wenn ihr euch bei der Frage, wie es mit Behandlungen oder weiteren Schritten weitergehen soll, nicht einig seid, findest du mehr dazu im Artikel Wenn einer weitermachen will und der andere nicht.

4. Unterstützung nicht erst suchen, wenn die Kräfte aufgebraucht sind

Viele versuchen lange, mit der Kinderwunschzeit allein zurechtzukommen – weil sie stark sein wollen, andere nicht belasten möchten oder den Eindruck haben, dass kaum jemand wirklich versteht, was sie gerade durchmachen.

Nicht alles allein mit sich ausmachen zu müssen, kann spürbar entlasten. Ein Gegenüber, das zuhört und die Situation versteht, kann dabei helfen, wieder etwas mehr Klarheit und inneren Abstand zu bekommen. Das kann ein vertrauter Mensch, eine Selbsthilfegruppe oder professionelle Begleitung sein.

5. Eigene Grenzen wahrnehmen

Schnell kann ein Schritt auf den nächsten folgen: der nächste Zyklus, die nächste Untersuchung, die nächste Behandlung. Dabei kann aus dem Blick geraten, was körperlich, emotional, zeitlich oder finanziell noch tragbar ist.

Eigene Grenzen wahrzunehmen bedeutet nicht, den Kinderwunsch aufzugeben. Es geht vielmehr darum, bewusst zu entscheiden, was für einen selbst noch passt.

Fragen, die dabei hilfreich sein können: 

Solche Fragen lösen die Ungewissheit nicht auf. Sie können aber den eigenen Handlungsspielraum sichtbarer machen.

6. Den Blick auf das richten, was du beeinflussen kannst

Nicht alles in der Kinderwunschzeit liegt in der eigenen Hand. Den Blick auf das zu richten, was du selbst gestalten kannst, schafft wieder etwas mehr Handlungsspielraum.

Du kannst zum Beispiel entscheiden, wo deine Grenzen liegen, mit wem du über den Kinderwunsch sprechen möchtest und welche Unterstützung du dir suchst.

Das verändert die Ungewissheit nicht. Es kann aber helfen, sich ihr weniger ausgeliefert zu fühlen.

Weitere mentale Strategien für den Umgang mit Gedanken, Gefühlen und Unsicherheit findest du in meinem Beitrag Unerfüllter Kinderwunsch: 9 mentale Strategien für mehr innere Stabilität.

7. Auch andere Lebenswege mitdenken

Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob sich der Kinderwunsch erfüllt. Sich auch Gedanken darüber zu machen, wie das eigene Leben weitergehen könnte, wenn es anders kommt als erhofft, bedeutet nicht, den Kinderwunsch aufzugeben.

Der Gedanke kann erst einmal schwer sein. Aber er kann auch den Blick dafür öffnen, dass das Leben anders weitergehen und trotzdem gut sein kann.

Wie schnell sich irgendwann vieles nur noch um den Kinderwunsch dreht, beschreibe ich auch im Artikel Unerfüllter Kinderwunsch: Drei Muster, die zusätzlich belasten können.

Beeinflusst Stress die Fruchtbarkeit?

Der Zusammenhang zwischen Stress und Fruchtbarkeit ist komplex. Stress ist nicht einfach die Ursache dafür, dass eine Schwangerschaft ausbleibt. Aussagen wie „Du musst dich nur entspannen, dann klappt es“ sind deshalb nicht gerechtfertigt.

Gleichzeitig ist Stress nicht nur ein psychisches Gefühl. Länger anhaltender Stress kann hormonelle Regelkreise beeinflussen, die an Stressreaktion und Fortpflanzung beteiligt sind. Wie stark sich das tatsächlich auf die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft auswirkt, lässt sich jedoch nicht allgemein sagen.

Hinzu kommt, dass eine lange Kinderwunschzeit psychisch häufig erheblich belastet. Anhaltender Stress und wiederholte Enttäuschungen können mit starker Erschöpfung, Ängsten oder depressiven Symptomen einhergehen.

Stress zu reduzieren ist deshalb aus mehreren Gründen sinnvoll: um den Körper zu entlasten, Erholung zu ermöglichen und einer dauerhaften Überlastung entgegenzuwirken.

Wenn du dir Unterstützung wünschst

Wenn der Kinderwunsch gerade viel Kraft kostet, können wir gemeinsam schauen, was dir jetzt guttun und wieder mehr Ruhe und Stabilität bringen könnte.

Mehr über mein Kinderwunsch-Coaching findest du hier. Für ein erstes Kennenlernen kannst du ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch buchen.
Hinweis: Coaching ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei anhaltender starker psychischer Belastung oder Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Fachperson.

Die Autorin

Ich bin Claudia Moser, systemische Coach und zertifizierte PEP®-Coach mit Schwerpunkt Kinderwunsch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel Kraft eine lange Kinderwunschzeit kosten kann. Heute begleite ich Frauen, Männer und Paare dabei, mit Belastungen besser umzugehen, schwierige Entscheidungen abzuwägen und die eigenen Kräfte im Blick zu behalten.

Claudia Moser Autorin