Kinderwunsch aufgeben
Wenn Abschied vom Kinderwunsch zum Thema wird
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann irgendwann an einen Punkt kommen, an dem du dich fragst, ob du noch weitermachen möchtest oder kannst. Medizinische Gründe, das Alter, fehlende Möglichkeiten oder die eigene Erschöpfung können diese Frage immer drängender machen.
Vielleicht weißt du längst, dass die Chancen sehr gering sind oder dass weitere Versuche für dich nicht mehr infrage kommen. Gleichzeitig bleibt ein Funke Hoffnung, dass es vielleicht doch noch klappt. Sich von dieser Hoffnung zu verabschieden kann schwer sein – besonders wenn du noch keine Vorstellung davon hast, wie dein Leben ohne eigenes Kind aussehen könnte.
Ich kenne diesen Übergang aus eigener Erfahrung. Auch ich konnte mir lange nicht vorstellen, dass ein gutes und erfülltes Leben ohne eigenes Kind für mich möglich sein könnte. Heute ist mein Leben anders, als ich es mir während meiner Kinderwunschzeit vorgestellt hatte – und ich erlebe es als erfüllt.
Warum schon der Gedanke an Abschied so schwer sein kann
Mit dem Kinderwunsch ist häufig ein konkreter Lebensentwurf verbunden: Mutter oder Vater zu sein, Familie auf eine bestimmte Weise zu erleben und das eigene Leben mit einem Kind weiterzudenken. Wenn diese Vorstellung unsicher wird, geht es deshalb um weit mehr als um die Frage, ob du noch einen weiteren Versuch machst.
Nach einer langen Kinderwunschzeit können Gedanken auftauchen wie: Habe ich genug versucht? Höre ich zu früh auf? Hätte ich noch etwas anderes tun müssen? Vielleicht fühlt es sich sogar wie persönliches Scheitern an.
Schon sich mit einem möglichen Abschied zu beschäftigen, kann Angst machen. Vielleicht fühlt es sich so an, als würdest du damit die Hoffnung aufgeben oder eine Entscheidung vorwegnehmen, für die du noch nicht bereit bist. Über einen möglichen Abschied nachzudenken bedeutet aber noch nicht, dass du dich dafür entschieden hast. Es kann helfen, genauer zu unterscheiden, was dir an diesem Gedanken solche Angst macht und welche Gründe für dich dafür oder dagegen sprechen, den Kinderwunsch weiterzuverfolgen.
Wenn der Kopf weiter ist als die Gefühle
Auch wenn sich eine Entscheidung abzeichnet oder bereits gefallen ist, können ganz unterschiedliche Gefühle weiter auftauchen: Trauer, Wut, Angst, Scham, Enttäuschung oder auch Hoffnung.
Diese Gefühle können nebeneinander da sein, sich widersprechen und verändern. Das kann viel Kraft kosten und es schwer machen, das Erlebte für sich zu sortieren und zu verarbeiten.
Wenn das Loslassen für dich bereits konkreter wird, findest du in meinem Beitrag Kinderwunsch loslassen: Drei Schritte, die dir helfen können Anregungen für diesen Prozess.
Wie Coaching in dieser Phase unterstützen kann
Im Coaching sortieren wir, was dich gerade beschäftigt und wo du in diesem Prozess stehst. Es kann um die Frage gehen, ob du genug versucht hast, um Erschöpfung nach einer langen Kinderwunschzeit, um Verletzungen aus dieser Zeit oder um die Unsicherheit, wie es weitergehen soll.
Auch der Gedanke an ein Erstgespräch oder Coaching kann Überwindung kosten. Vielleicht fühlt es sich an, als würdest du damit den Abschied ein Stück realer machen. Darüber zu sprechen heißt aber noch nicht, dass du dich dafür entschieden hast. Wir können zunächst anschauen, was diesen Gedanken für dich so schwierig macht.
Wenn klarer wird, wie dein Weg weitergehen soll, kann es darum gehen, das Erlebte zu verarbeiten, wieder mehr Vertrauen in dich selbst zu gewinnen und den Blick darauf zu richten, was in deinem Leben wichtig werden oder neu entstehen kann. Mehr über meine Arbeitsweise findest du auf der Seite Kinderwunsch-Coaching.
Wenn bereits feststeht, dass dein Kinderwunsch unerfüllt bleibt, findest du im Beitrag Ungewollte Kinderlosigkeit verarbeiten mehr über Trauer, Abschied und den Umgang damit.
Häufige Fragen zum Abschied vom Kinderwunsch
Den einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Neben der medizinischen Einschätzung spielen auch deine persönlichen Grenzen eine Rolle: Welche Möglichkeiten gibt es noch, was würde ein weiterer Versuch für dich bedeuten und was möchtest oder kannst du noch tragen? Diese Fragen können helfen, zu einer Entscheidung zu kommen, die für dich nachvollziehbar ist.
Nein. Du kannst dir auch Unterstützung holen, wenn du noch zwischen Weitermachen, einer Pause und einem möglichen Abschied schwankst. Vielleicht macht dir sogar der Gedanke Angst, dich mit einem Abschied überhaupt näher zu beschäftigen. Auch das kann Thema im Coaching sein. Du musst keine Entscheidung mitbringen.
Dafür gibt es keinen festen Zeitraum. Ein Abschied lässt sich nicht beschleunigen. Es kann darum gehen, das Erlebte zu verarbeiten, sich von den Anstrengungen der Kinderwunschzeit zu erholen und nach und nach einen eigenen Umgang mit dem zu finden, was anders gekommen ist als erhofft. Woran du merken kannst, dass dieser Prozess mit der Zeit leichter wird, beschreibe ich im Beitrag Mit dem Kinderwunsch abschließen – 11 Anzeichen, dass es leichter wird.
Dann steht ihr zusätzlich vor der Aufgabe, mit zwei unterschiedlichen Vorstellungen über den weiteren Weg umzugehen. Beide Positionen brauchen Raum, gerade wenn persönliche Grenzen oder die Hoffnung auf einen weiteren Versuch weit auseinanderliegen.
Mehr dazu findest du im Artikel Wenn einer weitermachen will und der andere nicht.
Ja. Eine neue Perspektive muss nicht schon vorhanden sein. Im Coaching kann zunächst im Vordergrund stehen, die vergangene Kinderwunschzeit zu verarbeiten und sich von den Anstrengungen zu erholen. Von dort aus kann sich nach und nach zeigen, was wieder wichtiger werden oder neu entstehen kann.
Wenn du erst einmal darüber sprechen möchtest
Du musst vor dem Erstgespräch nicht wissen, ob du weitermachen oder dich von deinem Kinderwunsch verabschieden möchtest. Wir sprechen über deine Situation und das, was dich gerade beschäftigt. Du lernst mich kennen und bekommst einen ersten Eindruck davon, wie ich arbeite. Danach kannst du in Ruhe entscheiden, ob das für dich passt.
Hinweis: Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung. Wenn du unter starken psychischen Beschwerden leidest oder medizinische Fragen zu deinem Kinderwunsch hast, wende dich bitte an eine Psychotherapeutin, einen Psychotherapeuten oder an deine behandelnde Ärztin bzw. deinen behandelnden Arzt.