Kinderwunsch loslassen:
Drei Schritte, die dir helfen können

Von Claudia Moser, Systemische Coach für Kinderwunsch

Feldweg durch eine Wiese im Morgennebel als Symbol für neue Perspektiven beim Loslassen des Kinderwunsches

Wenn ein Abschied vom Kinderwunsch Angst macht

Vielleicht spricht vieles dafür, vom Kinderwunsch Abschied zu nehmen – weil die Chancen sehr gering sind, Möglichkeiten ausgeschöpft sind oder du nicht mehr weitermachen möchtest. Trotzdem kann dieser Schritt schwerfallen.

Im Gespräch mit meinen Klientinnen höre ich häufig die Sorge: Wenn ich den Kinderwunsch loslasse, gebe ich dann auch die letzte Hoffnung auf? Und verbaue ich mir damit die letzte Chance, dass es doch noch klappt? Für manche fühlt sich dieser Schritt fast so an, als würden sie den eigenen Kinderwunsch verraten. 

Den Kinderwunsch loszulassen bedeutet nicht, ihn zu verraten. Es geht vielmehr darum, welchen Platz die Möglichkeit einer Schwangerschaft künftig in deinem Leben bekommt.

Du kannst die Tür offen lassen und trotzdem weitergehen. Dein Leben muss nicht länger darauf ausgerichtet sein, dass es vielleicht doch noch passiert.

Wenn du noch zwischen Weitermachen und Abschied schwankst, findest du auf der Seite Kinderwunsch aufgeben Gedanken und Fragen, die dir helfen können, deine Situation einzuordnen.

Drei Schritte können dir helfen, einen Abschied zu gestalten und nach und nach herauszufinden, wie es für dich weitergeht.

Schritt 1: Würdigen, was war und entscheiden, was bleiben darf

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, stehen im Rückblick schnell die schweren Seiten dieser Zeit im Vordergrund: Enttäuschungen, verpasste Chancen, schwierige Entscheidungen oder die Frage, ob du etwas hättest anders machen sollen.

Aber was gehört noch zu dieser Zeit? Vielleicht kannst du heute sehen, wie mutig und ausdauernd du diesen Weg gegangen bist und wie viel Stärke es gebraucht hat, die Anstrengungen, Unsicherheiten und Enttäuschungen auszuhalten. Vielleicht weißt du heute besser, wo deine Grenzen liegen, was dir guttut und wer wirklich für dich da ist.

Auch konkrete Erinnerungen können dazugehören: Menschen, denen du nähergekommen bist, Gespräche, die dir viel bedeutet haben, Reisen oder andere Momente, in denen das Leben trotz allem gut war.

Genauso kannst du schauen, was du nicht weiter mittragen möchtest: zum Beispile den Druck, jede Möglichkeit ausschöpfen zu müssen, das ständige Denken in Zyklen, Vergleiche mit anderen oder Schuldgefühle. 

Bei diesem ersten Schritt geht es darum, zu würdigen, zu betrauern und auch zu verarbeiten, was war. Und für dich zu klären:

Was möchte ich aus dieser Zeit mitnehmen?
Was soll mit ihr enden?

Die Kinderwunschzeit bleibt Teil deiner Geschichte, mit dem, was schwer war, und mit dem, was du aus dieser Zeit mitnimmst. Mit der Zeit kann sie einen anderen Platz bekommen und muss nicht mehr so sehr im Mittelpunkt stehen.

Schritt 2: Halt finden, wenn das Alte vorbei und das Neue noch nicht da ist

Wenn die aktive Kinderwunschzeit endet, kann zunächst eine Leere entstehen. Manche erleben diese Übergangsphase wie ein Niemandsland oder eine Wüste. Das bisherige Ziel fällt weg, aber etwas Neues ist noch nicht in Sicht. Dieses Dazwischen kann schwer auszuhalten sein.

Gerade dann geben einfache, verlässliche Strukturen Halt. Regelmäßig essen und schlafen, arbeiten, Sport treiben, in die Natur gehen oder Menschen treffen – wenn innerlich Unsicherheit besteht, geben Routinen dem Alltag einen ordnenden Rahmen und einen Rhythmus. 

Schau auch in dieser Phase, was noch zu deinem heutigen Leben passt. Vielleicht gibt es Dinge in deiner Wohnung, die stark mit dem Kinderwunsch verbunden sind, einen Raum, der einmal anders gedacht war, oder etwas, das du seit Jahren für „später“ aufbewahrst.

Dann können Fragen helfen wie:

Was möchte ich behalten?

Was brauche ich nicht mehr?

Was würde sich heute besser für mich anfühlen?

Das kann bedeuten, etwas auszusortieren, Kleidung wegzugeben, einen Raum anders zu nutzen, Möbel umzustellen oder bewusst etwas Neues anzuschaffen, das sich jetzt stimmiger anfühlt.

In dieser Übergangsphase reicht es, wenn nach und noch klarer wird, was nicht mehr zu dir passt und was dir Halt gibt.

Schritt 3: Das eigene Leben wieder stimmiger gestalten

Im dritten Schritt geht es um einen Neubeginn. Du hast gewürdigt und betrauert, was war. Du hast sortiert, was du aus der Kinderwunschzeit mitnehmen möchtest und was mit ihr enden soll. Und du hast eine Übergangszeit durchgestanden, in der vieles erst einmal offen war.

Jetzt kann der Blick wieder mehr nach vorn gehen. Vielleicht fragst du dich, Was soll mein neuer Weg sein? und merkst, wie schwer es fällt eine konkrete Anwort darauf zu geben. Stelle dir stattdessen eine andere Frage:

Was ist für mich stimmig?

Das zeigt sich schon im Kleinen: worauf bekommst du wieder Lust, was macht dich neugierig oder was hat dir gefehlt? Ein Hobby, das lange zu kurz gekommen ist, mehr Bewegung oder Sport, Zeit in der Natur, eine berufliche Idee oder Menschen und Unternehmungen, die dir guttun. Vielleicht möchtest du etwas wieder aufnehmen oder auch etwas ganz anderes ausprobieren.

Du kannst dabei immer wieder prüfen: Passt das (noch) zu mir? Möchte ich davon mehr, weniger oder etwas anderes? 

Wenn du dich an dem orientierst, was stimmig für dich ist, kommst du Schritt für Schritt in ein Leben, das wieder besser zu dir passt. 

Woran du erkennen kannst, dass sich innerlich etwas verändert und der Abschied nach und nach leichter wird, beschreibe ich im Beitrag Mit dem Kinderwunsch abschließen – 11 Anzeichen, dass es leichter wird.

 

Wie lange dauert es, bis es nach dem Abschied wieder leichter wird?

Es wird leichter – nur der Zeitpunkt ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Ein Abschied vom Kinderwunsch braucht Zeit, und dieser Prozess verläuft nie geradlinig.

Es kann Tage geben, an denen du merkst: Es geht mir besser. Und dann gibt es vielleicht wieder einen Moment, der dich traurig macht oder etwas aufwühlt, von dem du dachtest, du hättest es längst hinter dir.

Das heißt aber nicht, dass du wieder am Anfang stehst. Abschied und Neubeginn können eine ganze Weile nebeneinander bestehen. Der Kinderwunsch kann noch wehtun, während sich gleichzeitig schon etwas verändert.

Und diese Veränderung kommt häufig ziemlich leise. Vielleicht bemerkst du zunächst gar nicht, dass du seltener an den Kinderwunsch denkst, bestimmte Situationen dich weniger treffen oder du dich innerlich freier fühlst. Erst im Rückblick wird dir bewusst: Da hat sich etwas verschoben. Und du schaust wieder häufiger nach vorne – mit mehr Zuversicht und vielleicht auch wieder mit richtig Lust auf dein Leben.

Wenn du dir Unterstützung wünschst

Wenn du merkst, dass du beim Loslassen immer wieder an denselben Gedanken hängenbleibst oder nicht weißt, wie du mit einem möglichen Abschied umgehen sollst, kann es helfen, die eigene Situation mit etwas Abstand zu sortieren.

Im Coaching schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst, was dich festhält und was dir helfen kann, wieder mehr Sicherheit und Klarheit für dein weiteres Leben zu gewinnen.

Buche dir hier ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch.

Die Autorin

Claudia Moser ist systemische Coach und zertifizierte PEP®-Anwenderin. Seit 2016 arbeitet sie als Coach, seit 2021 hat sie sich auf die Begleitung von Frauen, Männern und Paaren rund um Kinderwunsch und ungewollte Kinderlosigkeit spezialisiert. Sie kennt auch die Auseinandersetzung mit dem Abschied vom Kinderwunsch aus eigener Erfahrung.

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