Von Claudia Moser, Systemische Coach für Kinderwunsch
Für viele Menschen gehört die Vorstellung, irgendwann eine Familie zu gründen, ganz selbstverständlich zum Leben. Vielleicht war das auch bei euch so. Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, wird aus dieser Selbstverständlichkeit eine Zeit voller Fragen und Unsicherheiten.
Vielleicht wartet ihr schon länger auf eine Schwangerschaft. Vielleicht habt ihr erfahren, dass der Weg dorthin schwieriger wird als gedacht. Oder ihr befindet euch bereits in medizinischen Untersuchungen oder einer Kinderwunschbehandlung.
Viele Männer erleben irgendwann den Moment, in dem sie merken, dass die Strategien, die ihnen bisher geholfen haben, hier nicht mehr ausreichen. Sie stellen fest, dass sie sich in einer Situation befinden, für die es keine einfachen Antworten und keine schnellen Lösungen gibt.
Ein unerfüllter Kinderwunsch folgt anderen Regeln.
Vielleicht erkennst du dich in einigen Gedanken dieses Artikels wieder. Wenn er dir hilft, besser zu verstehen, warum diese Zeit so herausfordernd sein kann und wie andere Männer sie erleben, hat er sein Ziel erreicht.
Ein unerfüllter Kinderwunsch stellt viele Männer vor eine Situation, die sie so bisher nicht kennen.
Viele Herausforderungen im Leben lassen sich bewältigen, indem man sich informiert, Entscheidungen trifft und Schritt für Schritt auf ein Ziel hinarbeitet. Häufig entsteht dadurch das Gefühl, selbst Einfluss auf den weiteren Verlauf zu haben.
Beim Kinderwunsch ist das anders.
Natürlich könnt ihr medizinische Untersuchungen wahrnehmen, gemeinsam Entscheidungen treffen oder eine Kinderwunschbehandlung beginnen. All das kann sinnvoll und wichtig sein. Trotzdem bleibt die entscheidende Frage offen: Wird sich euer Kinderwunsch erfüllen?
Hinzu kommt, dass sich ein großer Teil der medizinischen Untersuchungen und Behandlungen um den Körper der Frau dreht. Viele Männer erleben diese Zeit deshalb anders. Sie begleiten ihre Partnerin, treffen Entscheidungen mit und hoffen genauso auf eine Schwangerschaft. Gleichzeitig können sie vieles nicht selbst beeinflussen.
Viele Männer möchten etwas tun und wissen gleichzeitig nicht, was in dieser Situation wirklich hilft. Manche fühlen sich hilflos, weil sie ihrer Partnerin die körperlichen und emotionalen Belastungen nicht abnehmen können. Andere fragen sich, ob sie mehr tun müssten oder ob sie überhaupt genug beitragen.
Aus meiner Erfahrung als Coach weiß ich, dass diese Hilflosigkeit viele Männer verunsichert. Vielleicht erleben sie zum ersten Mal, dass sich eine wichtige Lebensfrage trotz Engagement, Verantwortung und gemeinsamer Entscheidungen nicht vollständig beeinflussen lässt.
Ein unerfüllter Kinderwunsch wirft nicht nur Fragen über die Zukunft auf. Er kann auch das Bild verändern, das viele Männer von sich selbst haben.
Besonders dann, wenn medizinische Untersuchungen auf eine eingeschränkte Fruchtbarkeit hinweisen, erleben viele Männer einen tiefen Einschnitt. In meiner Arbeit als Coach höre ich immer wieder Sätze wie: „Ich fühle mich wie ein Versager.“ „Nicht einmal das bekomme ich hin.“ Oder: „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Viele Männer stellen dann unbewusst einen Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit, Mannsein und Selbstwert her. Sie fragen sich, was es über sie als Mann aussagt, wenn ausgerechnet etwas nicht funktioniert, mit dem sie immer fest gerechnet haben.
Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sich ihr Kinderwunsch irgendwann erfüllt. Tatsächlich ist die Entstehung einer Schwangerschaft ein biologisch hochkomplexer Prozess, bei dem viele Faktoren zusammenspielen. Dass sich ein Kinderwunsch nicht oder nicht sofort erfüllt, ist deshalb kein Zeichen persönlichen Versagens.
Aus meiner Erfahrung als Coach ist es für viele Männer entlastend, diesen Zusammenhang zu hinterfragen. Eine eingeschränkte Fruchtbarkeit beschreibt eine medizinische Situation. Sie sagt nichts darüber aus, was für ein Mensch oder Partner jemand ist.
In einer emotional belastenden Zeit gerät dieser Unterschied jedoch leicht aus dem Blick. Sich das immer wieder bewusst zu machen, kann helfen, den Blick auf sich selbst realistischer und mit mehr Mitgefühl zu richten.
Viele Paare erleben, dass sie mit dieser Belastung unterschiedlich umgehen. Während der eine früh über Gedanken und Gefühle sprechen möchte, braucht der andere zunächst Zeit, um sie für sich zu sortieren. Manche suchen den Austausch. Andere ziehen sich eher zurück oder versuchen, die Situation durch Informationen, Planung oder konkrete Schritte besser greifbar zu machen.
In meiner Arbeit als Coach erzählen mir Männer immer wieder, dass sie unter der Woche häufig vergleichsweise gut zurechtkommen. Die Arbeit gibt Struktur, fordert Aufmerksamkeit und lässt für einige Stunden weniger Raum für die Gedanken rund um den Kinderwunsch.
Am Abend oder am Wochenende verändert sich das oft. Dann verbringen viele Paare mehr Zeit miteinander, Gespräche über den Kinderwunsch bekommen wieder Raum oder es stehen Entscheidungen an. Gleichzeitig erleben viele Männer die Belastung ihrer Partnerin unmittelbarer mit. Die Gedanken und Gefühle, die unter der Woche etwas in den Hintergrund gerückt sind, holen sie dann oft wieder ein.
Gerade weil jeder Belastungen auf seine eigene Weise verarbeitet, entstehen in dieser Zeit leicht Missverständnisse. Jeder betrachtet die Situation zunächst aus seiner eigenen Perspektive und versucht, die Reaktion des anderen mit den eigenen Erfahrungen zu erklären.
Wer selbst das Bedürfnis hat zu reden, versteht vielleicht nur schwer, warum der andere schweigt. Wer seine Gedanken erst einmal mit sich selbst ausmacht, kann umgekehrt oft nicht nachvollziehen, warum der Partner oder die Partnerin immer wieder das Gespräch sucht.
Unterschiedliche Reaktionen bedeuten jedoch nicht, dass einer stärker oder schwächer betroffen ist. Sie zeigen vor allem, dass Menschen Belastungen unterschiedlich verarbeiten.
Gerade in einer so herausfordernden Lebensphase ist gegenseitiges Verständnis eine große Hilfe. Zu wissen, dass der andere dieselbe Situation anders erlebt und anders damit umgeht, beugt Missverständnissen vor. So fällt es leichter, sich gegenseitig zu unterstützen und trotz aller Unterschiede gemeinsam als Team durch diese Zeit zu gehen.
Wenn dich dieses Thema besonders beschäftigt, findest du auf meiner Themenseite Kinderwunsch und Partnerschaft weitere Informationen und Anregungen.
Viele Paare begleitet der unerfüllte Kinderwunsch über viele Monate oder sogar Jahre. Umso wichtiger ist es, in dieser Zeit gut für sich selbst zu sorgen. Innere Stabilität verändert den Ausgang nicht. Sie kann aber helfen, mit den Höhen und Tiefen dieser Zeit besser umzugehen.
Ein unerfüllter Kinderwunsch ist für viele Männer keine Herausforderung wie jede andere. Er berührt Fragen, die weit über den Wunsch nach einem Kind hinausgehen. Es geht um die eigene Zukunft, die Partnerschaft, das Selbstbild und einen Lebensentwurf, der plötzlich unsicher geworden ist.
Viele Männer erleben dabei zum ersten Mal eine Situation, die sich nicht durch Anstrengung, gute Planung oder Ausdauer lösen lässt. Die Mischung aus Unsicherheit, Kontrollverlust, Hoffnung, Enttäuschung und immer neuen Entscheidungen kann überwältigend sein. Sich davon verunsichern zu lassen, ist eine verständliche Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung.
Gerade deshalb geht es zunächst nicht darum, möglichst schnell eine Lösung zu finden. Wichtiger ist es, immer wieder etwas innere Stabilität zurückzugewinnen. Sich zu fragen: Welche Gedanken helfen mir gerade weiter? Welche setzen mich zusätzlich unter Druck? Was tut mir gut? Und was gibt mir in dieser Zeit Kraft?
Auch wenn sich viele äußere Umstände nicht beeinflussen lassen, bleibt ein wichtiger Handlungsspielraum: der Umgang mit dir selbst. Wie du für dich sorgst, wie du mit deinen Gedanken umgehst und ob du dir Unterstützung holst, kannst du beeinflussen.
Niemand muss diese Situation allein bewältigen. Sich Unterstützung zu suchen, bedeutet nicht, schwach zu sein. Es zeigt, dass du Verantwortung für dich selbst übernimmst und gut für dich sorgst – gerade in einer Lebensphase, die viele Männer an ihre Grenzen bringt.
Ein unerfüllter Kinderwunsch gehört für viele Männer zu den größten Herausforderungen ihres Lebens. Sich dabei verunsichert, hilflos oder überfordert zu fühlen, ist eine verständliche Reaktion auf eine Situation, die sich nur begrenzt beeinflussen lässt.
Im Coaching geht es darum, die eigenen Gedanken zu sortieren, neue Perspektiven zu entwickeln und einen Umgang mit der Situation zu finden, der zu dir und deiner Lebenssituation passt.
Du musst dafür nicht schon wissen, wie es weitergehen soll. Genau darum kann es im Coaching gehen.
Wenn du herausfinden möchtest, ob ein Coaching dich in deiner Situation unterstützen kann, vereinbare gerne ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch.
Ich bin Claudia Moser, Systemische Coach und zertifizierte PEP®-Anwenderin. Seit vielen Jahren begleite ich Frauen, Männer und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr ein unerfüllter Kinderwunsch nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch eine Partnerschaft verändern kann. Ich kenne die Unsicherheit, die Hoffnung, die Enttäuschungen und die vielen Fragen, die diese Zeit mit sich bringen kann. Deshalb weiß ich sowohl aus persönlicher Erfahrung als auch aus meiner Arbeit mit vielen Männern und Paaren, wie unterschiedlich Menschen diese Zeit erleben und wie wichtig ein individueller Umgang damit ist.
Wenn du mehr über meine Arbeitsweise erfahren möchtest, findest du hier weitere Informationen zu meinem Coaching-Angebot bei Kinderwunsch.
Male Infertility — NCBI Bookshelf (aktualisiert 2024), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK562258/
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