Warum man sich bei
unerfülltem Kinderwunsch
so einsam fühlen kann

Von Claudia Moser, Systemische Coach für Kinderwunsch

Paar sitzt auf einer Parkbank und blickt auf vorbeigehende Familien mit Kindern.

Wenn das Leben der anderen weitergeht und das eigene stehen bleibt

Vielleicht sitzt du mit Freunden im Garten. Die Kinder spielen Fangen. Jemand erzählt von der Einschulung, eine andere Familie plant den nächsten Urlaub. Du freust dich ehrlich mit.

 

Auf dem Heimweg kommt dieser Gedanke:

 

Alle gehen weiter. Nur mein Leben bleibt stehen.

 

Viele Frauen und Männer mit unerfülltem Kinderwunsch kennen solche Momente.

 

Familienfeiern fühlen sich anders an als früher. Gespräche drehen sich immer häufiger um Themen, bei denen du nur noch zuhörst. Vielleicht überlegst du länger, ob du eine Einladung annimmst, erzählst weniger von dir oder ziehst dich zurück.

 

Mit der Zeit kann der Eindruck entstehen, dass das Leben der anderen weitergeht, während das eigene auf der Stelle tritt. Du bist zwar dabei und hast doch immer häufiger das Gefühl, nicht mehr selbstverständlich dazuzugehören.

 

So kann Einsamkeit entstehen, obwohl Menschen da sind.

 

Einsamkeit bedeutet nicht nur, allein zu sein. Sie entsteht dann, wenn das Gefühl von emotionaler Verbundenheit verloren geht – zu anderen Menschen, zum eigenen Leben und auch zu sich selbst.

Das Gefühl, dass etwas fehlt

Neben dem Gefühl, nicht mehr selbstverständlich dazuzugehören, erleben viele noch etwas anderes: den Eindruck, dass im eigenen Leben etwas fehlt. 

 

Für manche hat das Kind innerlich längst einen Platz bekommen, obwohl es noch gar nicht da ist. Sie haben sich vorgestellt, wie sie es zum ersten Mal im Arm halten, wie sie ihren Eltern von der Schwangerschaft erzählen, gemeinsam Geburtstage feiern oder als Familie in den Urlaub fahren. 

 

Andere tragen ein Gefühl in sich, wie ihr Leben einmal aussehen sollte. Obwohl diese Zukunft ungewiss bleibt, fühlt sie sich manchmal erstaunlich real an – und gleichzeitig unerreichbar.

 

Dieses Erleben lässt sich anderen oft nur schwer vermitteln. Gerade deshalb fühlen sich viele Betroffene damit allein. Viele Betroffene hören gut gemeinte Sätze wie „Das wird schon noch“ oder „Versucht euch nicht so unter Druck zu setzen“. Dahinter steckt meist der Wunsch zu trösten. Trotzdem bleibt häufig das Gefühl zurück, mit dem eigenen Schmerz nicht wirklich verstanden worden zu sein. 

 

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, warum ein unerfüllter Kinderwunsch psychisch so belastend sein kann, findest du weitere Informationen auf meiner Themenseite „Kinderwunsch und Psyche“.

Wie Einsamkeit den Blick verengt

Diese beiden Erfahrungen – das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören und der Schmerz über das, was fehlt – verändern nach und nach auch den Blick auf das eigene Leben.

 

Vieles, was dem eigenen Leben ebenfalls Bedeutung gibt, wird weniger spürbar. Die Aufmerksamkeit richtet sich immer stärker auf das, was fehlt.

 

Plötzlich scheinen überall Kinderwagen zu sein. Familien wirken wie eine Welt, zu der fast alle anderen selbstverständlich zu gehören scheinen.

 

Vielleicht kennst du das: Ein einziger Kommentar beschäftigt dich noch Tage später. Die Nachricht von einer Schwangerschaft wirkt lange nach. Schöne Begegnungen, kleine Erlebnisse oder Momente der Leichtigkeit geraten dagegen fast unbemerkt in den Hintergrund.

 

Es ist, als würde der Kinderwunsch immer lauter werden und alles andere leiser. Nach und nach bestimmt er, worauf dein Blick immer wieder fällt.

 

Wenn du dieses Gedankenkarussell kennst, findest du im Artikel Warten beim Kinderwunsch – wenn plötzlich das ganze Leben mitwartet weitere Gedanken dazu.

Wenn das Leben wieder mehr Raum einnimmt

Der Kinderwunsch nimmt einen wichtigen Platz im Leben ein. Bleibt er über lange Zeit unerfüllt, entsteht häufig das Gefühl, dass etwas Wesentliches fehlt. Diese Erfahrung ist real. Sie lässt sich weder wegdenken noch durch gute Ratschläge auflösen.

 

Gleichzeitig gerät leicht aus dem Blick, was dem eigenen Leben ebenfalls Sinn, Halt und Verbundenheit gibt.

 

Das Leben wieder bewusster zu leben bedeutet nicht, den Kinderwunsch aufzugeben. Es bedeutet auch nicht, den Schmerz kleinzureden. Viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie lachen, einen Urlaub genießen oder Pläne schmieden, die nichts mit einem Kind zu tun haben. Fast so, als würden sie ihren Kinderwunsch verraten. 

 

Doch beides darf gleichzeitig da sein: der Wunsch nach einem Kind und die Erlaubnis, das eigene Leben  bewusst zu leben. Das eine schließt das andere nicht aus. 

 

Einsamkeit verliert dort an Kraft, wo wieder emotionale Verbundenheit entsteht. Nähe entsteht dort, wo wir uns gesehen und verstanden fühlen. Vielleicht gibt es einen Menschen, bei dem du nichts erklären musst. Jemand, der deinen Schmerz aushält, ohne ihn kleinzureden oder sofort nach einer Lösung zu suchen. Das Gefühl, wirklich verstanden zu werden, kann Einsamkeit spürbar lindern.

 

Das Gefühl, dazuzugehören, wächst auch, wenn wir merken: Ich bin wichtig. Ich werde gebraucht. Vielleicht bist du für einen Freund da, engagierst dich ehrenamtlich, kümmerst dich um einen Nachbarn, ein Tier oder ein Projekt, das dir am Herzen liegt. Solche Erfahrungen erinnern uns daran, dass wir gebraucht werden und einen Platz im Leben anderer haben.

 

Auch Gemeinschaft kann dieses Gefühl stärken. Beim Sport, in einem Chor oder auf einem Konzert kann für einen Moment wieder spürbar werden: Ich gehöre dazu.

 

Manche Momente schenken auf leise Weise das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Ein Spaziergang im Wald, ein Blick in den Himmel oder ein vertrauter Ort. 

 

Auch der Kontakt zu uns selbst gerät in belastenden Zeiten leicht aus dem Blick. Wenn wir wieder wahrnehmen, was uns guttut, freundlicher mit uns sprechen und erkennen, dass unser Leben aus mehr besteht als dem Warten auf ein Kind, kann auch daraus neue Kraft entstehen.

 

Das, was fehlt, verschwindet dadurch nicht. Auch die Sehnsucht nach einem Kind bleibt oft bestehen. Doch je mehr Erfahrungen von Verbundenheit, Zugehörigkeit und Sinn wieder Raum im Leben bekommen, desto weniger Raum nimmt die Einsamkeit ein.

Wann Coaching dabei helfen kann

Coaching kann hilfreich sein, wenn Einsamkeit immer mehr Lebensbereiche bestimmt. Wenn Rückzug zur Gewohnheit wird oder es schwerfällt, wieder Zugang zu anderen Menschen, zum eigenen Leben oder zu sich selbst zu finden.

 

Viele Menschen erleben es als entlastend mit jemandem zu sprechen, der die psychischen Herausforderungen eines langen Kinderwunschwegs kennt. Sich verstanden zu fühlen, kann ein erster Schritt sein, sich wieder weniger allein zu erleben.

 

Im Coaching schauen wir gemeinsam darauf, was dich belastet, was dich vom Gefühl der Zughörigkeit entfernt hat und welche Muster die Einsamkeit aufrechterhalten. Dabei kann sichtbar werden, welche Erfahrungen fehlen, welche Verletzungen noch nachwirken und an welchen Stellen du wieder Einfluss auf dein Leben gewinnen kannst.

 

Viele beschreiben nach einiger Zeit, dass der Kinderwunsch zwar weiterhin wichtig ist, aber nicht mehr jeden Gedanken bestimmt. Begegnungen werden wieder leichter und das Leben fühlt sich wieder lebendiger an.

 

Wenn du dich in diesem Artikel wiedergefunden hast und dir professionelle Begleitung wünschst, vereinbare gerne ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch.

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Häufige Fragen

Warum fühle ich mich trotz Partner so einsam?

Auch in einer liebevollen Partnerschaft kann Einsamkeit entstehen. Beide sind vom unerfüllten Kinderwunsch betroffen und gehen dennoch unterschiedlich damit um. Einer möchte viel darüber sprechen, der andere zieht sich eher zurück. Einer sucht Hoffnung, der andere versucht, sich innerlich zu schützen. Hinzu kommt, dass es schwer sein kann, die eigenen Gefühle überhaupt in Worte zu fassen. Und wenn beide stark mit dem eigenen Schmerz beschäftigt sind, bleibt wenig Kraft, sich wirklich in das Erleben des anderen hineinzuversetzen. So kann das Gefühl entstehen, mit dem Kinderwunsch innerlich allein zu sein, obwohl der Partner ganz nah ist.

Ist Einsamkeit bei unerfülltem Kinderwunsch normal?

Viele Frauen und Männer erleben in dieser Situation Phasen von Einsamkeit. Das ist nachvollziehbar, besonders wenn sich das eigene Leben zunehmend von dem der Menschen im Umfeld zu unterscheiden scheint oder Gespräche über den Kinderwunsch kaum möglich sind.

Was hilft gegen Einsamkeit beim Kinderwunsch?

Ein erster Schritt kann sein, bewusster nach Erfahrungen von Verbundenheit zu suchen. Sie können in engen Beziehungen, Bekanntschaften, Gemeinschaften, gemeinsamen Aufgaben, in der Natur oder in einem freundlicheren Kontakt mit sich selbst entstehen. Hilfreich ist außerdem, wahrzunehmen, wann Rückzug schützt und wann er die Einsamkeit verstärkt. Kleine, stimmige Schritte sind dabei hilfreicher als der Vorsatz, einfach wieder mehr unter Menschen zu gehen.

Kann Coaching bei Einsamkeit helfen?

Coaching kann unterstützen, wenn Einsamkeit immer mehr Raum einnimmt oder du das Gefühl hast, den Anschluss an dein eigenes Leben verloren zu haben. Gemeinsam lassen sich Zusammenhänge verstehen, neue Perspektiven entwickeln und Wege finden, wieder mehr Zugehörigkeit, Verbundenheit und Selbstwirksamkeit zu erleben.

Die Autorin

Claudia Moser ist Systemische Coach und begleitet Frauen, Männer und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Aus eigener Erfahrung kennt sie die Belastungen eines langen Kinderwunschwegs und die Herausforderung, neben diesem Wunsch das eigene Leben nicht aus dem Blick zu verlieren.

 

In ihrem Coaching unterstützt sie Menschen dabei, belastende Gefühle besser zu verstehen, innere Klarheit zu gewinnen und wieder mehr Halt und Zuversicht im Alltag zu finden. Mehr über das Coaching-Angebot von Claudia Moser.

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