Unerfüllter Kinderwunsch verarbeiten

Von Claudia Moser, Systemische Coach für Kinderwunsch

Frau hält im Wald inne – Symbolbild für das Verarbeiten eines unerfüllten Kinderwunsches

Einen unerfüllten Kinderwunsch zu verarbeiten gehört zu den schwierigsten Erfahrungen im Leben. Viele Menschen erleben Phasen, in denen sie das Gefühl haben, einen guten Umgang mit ihrer Situation gefunden zu haben – bis eine Schwangerschaft im Freundeskreis, ein Arzttermin oder ein scheinbar beiläufiger Moment plötzlich alles wieder ins Wanken bringt. Eben noch war Hoffnung da, im nächsten Moment sind Trauer, Wut, Angst oder Ohnmacht wieder ganz präsent.

 

Dann tauchen Fragen auf wie: Warum bringt mich das immer wieder so aus dem Gleichgewicht? Warum fühlt sich jede neue Hoffnung oder Enttäuschung so intensiv an? Wie kann ich mit all dem umgehen, ohne dass es mich immer wieder überwältigt?

 

Viele Menschen verbinden das Verarbeiten eines unerfüllten Kinderwunsches mit dem Ende des Kinderwunschwegs. Ich glaube jedoch, dass es hilfreich ist, diesem Prozess schon während des Kinderwunschwegs Raum zu geben. Denn auch wenn sich der Kinderwunsch später erfüllt, können die Erfahrungen auf dem Weg dorthin tiefe Spuren hinterlassen.

 

Jeder Rückschlag, jede Wartezeit, eine Fehlgeburt oder jede erfolglose Behandlung möchte innerlich verarbeitet werden. Geschieht das nicht, können sich Gedanken und Gefühle über Monate oder Jahre ansammeln und immer belastender werden.

 

Verarbeiten bedeutet deshalb nicht, den Kinderwunsch aufzugeben. Es bedeutet, sich immer wieder bewusst mit dem auseinanderzusetzen, was gerade geschieht. Wahrzunehmen, zu sortieren und besser zu verstehen. Nicht erst am Ende des Kinderwunschwegs, sondern Schritt für Schritt währenddessen. Das kann helfen, die seelische Belastung nicht immer weiter anwachsen zu lassen und auch in schwierigen Phasen wieder zu mehr innerer Stabilität zu finden.

 

Genau hier setzt das Triadische Prinzip nach Gabriela von Witzleben an. Es hilft dabei, die verschiedenen Seiten des eigenen Erlebens besser zu verstehen und Schritt für Schritt einen Umgang mit ihnen zu finden, der sich wieder stimmiger anfühlt. So kann aus dem Gefühl, den eigenen Gedanken und Gefühlen ausgeliefert zu sein, nach und nach mehr innere Ruhe und Vertrauen entstehen.

Warum das Verarbeiten eines unerfüllten Kinderwunsches oft so schwer ist

Einen unerfüllten Kinderwunsch zu verarbeiten ist oft deshalb so schwer, weil immer wieder neue Erfahrungen hinzukommen. Kaum ist nach einem Rückschlag wieder etwas Ruhe eingekehrt, folgt vielleicht schon der nächste Arzttermin, eine neue Hoffnung oder die nächste Enttäuschung.

 

Vieles bleibt über lange Zeit ungewiss. 

 

Ein unerfüllter Kinderwunsch bedeutet weit mehr als die Sehnsucht nach einem Kind. Er berührt den eigenen Lebensentwurf, die Partnerschaft und die Vorstellung von der Zukunft. Gleichzeitig wirken viele Belastungen auf einmal. Trauer, Wut, Angst, Hoffnung, Schuldgefühle oder Neid können nebeneinander bestehen oder sich immer wieder abwechseln. Auch Fragen nach der eigenen Identität oder dem weiteren Lebensweg rücken in den Vordergrund.

 

Welche Auswirkungen ein unerfüllter Kinderwunsch auf die Psyche haben kann, erfährst du ausführlicher in meinem Beitrag Kinderwunsch und Psyche.

 

Viele Menschen versuchen in dieser Zeit einfach weiterzumachen. Das ist verständlich. Doch Gedanken, Gefühle und körperliche Anspannung lösen sich dadurch meist nicht von selbst auf. Stattdessen melden sie sich häufig wieder – etwa nach einem Arzttermin, einer Schwangerschaft im Freundeskreis oder einer Frage aus dem Umfeld.

 

Wer die eigenen Signale über längere Zeit übergeht, merkt oft erst spät, wie viel Kraft das kostet. Warum das so häufig passiert und welche Fehler viele auf ihrem Kinderwunschweg erst im Nachhinein erkennen, erfährst du in meinem Beitrag Kinderwunschweg: Drei Fehler, die viele erst zu spät erkennen.

 

Wie aber gelingt es, die eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, wenn sie sich ständig überlagern und sich alles gleichzeitig wichtig anfühlt? Genau hier kann das Triadische Prinzip nach Gabriela von Witzleben helfen. Es unterstützt dabei, das eigene Erleben bewusster wahrzunehmen, die dahinterliegenden Bedürfnisse besser zu verstehen und Schritt für Schritt einen Umgang mit ihnen zu entwickeln, der sich wieder stimmiger anfühlt.

Das Triadische Prinzip: Das eigene Erleben besser verstehen

Wenn wir verstehen möchten, warum uns bestimmte Situationen beim Kinderwunsch so stark belasten, reicht es oft nicht aus, nur auf einzelne Gedanken oder Gefühle zu schauen. Unser Erleben entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener innerer Prozesse, die sich gegenseitig beeinflussen. Genau hier setzt das Triadische Prinzip nach Gabriela von Witzleben an.

 

Es geht davon aus, dass wir auf drei Ebenen erleben: Wir fühlen, wir denken und wir handeln. Hinter diesen drei Ebenen stehen die psychischen Kernbedürfnisse Beziehung, Sicherheit und Autonomie. Sie beeinflussen, wie wir Situationen wahrnehmen, welche Gefühle entstehen und wie wir darauf reagieren.

 

Im Triadischen Prinzip werden diese drei Kernbedürfnisse den Körperzentren Herz, Kopf und Bauch zugeordnet. Die bewusste Wahrnehmung dieser Körperbereiche eröffnet einen zusätzlichen Zugang zum eigenen Erleben. Dadurch lässt sich erkennen, welches Bedürfnis gerade im Vordergrund steht und warum bestimmte Gedanken, Gefühle oder Reaktionen entstehen.

 

Gerade beim unerfüllten Kinderwunsch kann das entlastend sein. Statt sich von den vielen Eindrücken und Emotionen überwältigen zu lassen, entsteht Schritt für Schritt mehr Klarheit darüber, was im Moment wirklich belastet, welches Bedürfnis im Vordergrund steht und was helfen kann, wieder mehr innere Stabilität zu finden.

 

Zur ersten Orientierung zeigt die folgende Übersicht die drei Kompetenzzentren mit ihren Kernbedürfnissen und den jeweils typischen Leitfragen.

Beziehung (Herz): Verbundenheit und Zugehörigkeit

Leitfrage: Was fühle ich?

 

Das Bedürfnis nach Beziehung steht für Nähe, Verbundenheit und Zugehörigkeit – zu anderen Menschen, aber auch zu dir selbst. Fühle ich mich gesehen, angenommen und wertgeschätzt? Begegne ich mir selbst mit Verständnis oder eher mit Kritik? Kann ich anderen mit Offenheit und Mitgefühl begegnen?

 

Beim unerfüllten Kinderwunsch wird dieses Bedürfnis häufig besonders berührt. Die Sehnsucht nach einer eigenen Familie, das Gefühl, nicht verstanden zu werden oder sich von Freunden und Verwandten zu entfernen, können Trauer, Einsamkeit oder Enttäuschung auslösen. Gleichzeitig fällt es vielen Menschen schwer, sich selbst mit derselben Fürsorge zu begegnen, die sie anderen selbstverständlich schenken würden.

 

Gerade hier liegt aber auch eine wichtige Ressource: Menschen, die Halt geben, ehrliche Gespräche und die Erfahrung, mit der eigenen Situation nicht allein zu sein. Ebenso kann ein verständnisvoller Umgang mit sich selbst helfen, schwierige Gefühle anzunehmen, statt gegen sie anzukämpfen.

 

Wie sich ein unerfüllter Kinderwunsch auf die Partnerschaft auswirken kann und was Paaren in dieser Zeit hilft, findest du auf meiner Themenseite Kinderwunsch und Partnerschaft.

Sicherheit (Kopf): Orientierung und Vertrauen

Leitfrage: Was denke ich?

 

Sicherheit entsteht, wenn wir Überblick und Orientierung haben und daraus Vertrauen entwickeln können – auch dann, wenn nicht alles vorhersehbar ist. Deshalb zeigt sich dieses Bedürfnis besonders in unserem Denken. Welche Informationen brauche ich? Worauf kann ich mich verlassen? Was gibt mir Halt, obwohl ich den weiteren Verlauf nicht kenne?

 

Beim unerfüllten Kinderwunsch gerät dieses Bedürfnis oft ins Wanken. Viele Menschen erleben ein ständiges Grübeln: Welche Behandlung ist die richtige? Wie lange sollen wir noch weitermachen? Was passiert, wenn es nie klappt? Gedanken kreisen um Behandlungsmöglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Zeitdruck oder die Frage, wie das eigene Leben weitergehen wird.

 

Gleichzeitig kann dieses Bedürfnis eine wichtige Ressource sein. Informationen bewusst einzuordnen, Entscheidungen zu treffen und den Blick immer wieder auf das zu richten, was im Moment wichtig ist, kann helfen, mehr Orientierung und Vertrauen zu entwickeln.

 

Warum ein unerfüllter Kinderwunsch so häufig zu Grübeln, Anspannung und innerer Unruhe führt, erfährst du in meinem Beitrag Wenn Schwangerwerden schwer ist.

Autonomie (Bauch): Den eigenen Weg gestalten

Leitfrage: Was will ich?

 

Autonomie beschreibt das Bedürfnis, das eigene Leben aktiv mitzugestalten und Entscheidungen treffen zu können. Deshalb zeigt sie sich vor allem in unserem Handeln. Wo habe ich Einfluss? Welche Möglichkeiten habe ich? Was fühlt sich für meinen weiteren Weg stimmig an?

 

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann dieses Bedürfnis stark herausfordern. Medizinische Abläufe, Wartezeiten oder das Gefühl, vom eigenen Körper abhängig zu sein, lösen häufig Ohnmacht oder Wut aus.

 

Gleichzeitig erinnert dieses Bedürfnis daran, den Blick auf das zu richten, was trotz allem gestaltbar bleibt – persönliche Grenzen, bewusste Entscheidungen oder kleine Schritte, die sich im Moment richtig anfühlen.

 

Auch wenn sich die äußeren Umstände nicht sofort verändern, kann die Erfahrung, den eigenen Weg aktiv mitzugestalten, dabei helfen, wieder mehr Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu entwickeln.

Die drei Kernbedürfnisse wirken nie unabhängig voneinander. Oft sind mehrere gleichzeitig berührt. Das erklärt, warum sich ein unerfüllter Kinderwunsch häufig so widersprüchlich anfühlt. Während ein Teil von dir noch Hoffnung hat, sehnt sich ein anderer nach Sicherheit oder danach, das eigene Leben wieder aktiver gestalten zu können.

 

Das Triadische Prinzip trennt diese Erfahrungen nicht künstlich voneinander. Es hilft vielmehr dabei, sie zu unterscheiden und gleichzeitig als Teil eines Ganzen zu verstehen. So wird es leichter, den vielen Gedanken und Gefühlen nicht mehr ausgeliefert zu sein, sondern sich selbst mit mehr Verständnis zu begegnen.

Reflexionsimpuls

Vielleicht magst du kurz innehalten und den Blick auf deine eigene Situation richten. Die folgenden Fragen können dir helfen, Gedanken und Gefühle etwas besser zu sortieren.

 

  • Welches der drei Kernbedürfnisse steht bei mir jetzt gerade am stärksten im Vordergrund?
  • Woran merke ich das?
  • Was könnte mir helfen, diesem Bedürfnis etwas mehr Raum zu geben?

Ein Beispiel aus meiner Coachingpraxis

In meiner Coachingpraxis begleite ich Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen. Manche stehen noch am Anfang ihres Kinderwunschwegs, andere befinden sich mitten in einer Kinderwunschbehandlung, haben eine oder mehrere Fehlgeburten erlebt oder warten auf den nächsten Behandlungszyklus. Wieder andere müssen sich damit auseinandersetzen, dass sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllen wird.

 

Viele Menschen begegnen einer Aufstellung zunächst mit Skepsis. Das kann ich gut verstehen. Auf den ersten Blick ist schwer vorstellbar, wie die bewusste Aufmerksamkeit für Bauch, Herz und Kopf dabei helfen soll, innere Zusammenhänge besser zu erkennen und neue Orientierung zu gewinnen.

 

Das folgende Beispiel stammt aus einem Coaching mit einer Klientin. Es steht stellvertretend für viele Situationen, in denen Menschen versuchen, die belastenden Erfahrungen ihres Kinderwunschwegs besser einzuordnen.

 

Die Klientin hatte sich viele Jahre ein Kind gewünscht. Als sie schließlich den Partner gefunden hatte, mit dem sie sich eine Familie vorstellen konnte, erfuhr sie, dass sie bereits in den frühen Wechseljahren war. Die Diagnose traf sie völlig unvorbereitet. Trauer, Wut, Zukunftsängste und viele offene Fragen überlagerten sich. Sie hatte das Gefühl, gar nicht mehr zu wissen, wo sie innerlich anfangen sollte.

 

Im Coaching arbeiteten wir mit einer Aufstellung nach dem Triadischen Prinzip. Dabei werden die Körperzentren Bauch, Herz und Kopf als sogenannte Bodenanker im Raum ausgelegt.

 

Die Klientin stellt sich nacheinander auf die Bodenanker und richtet ihre Aufmerksamkeit jeweils auf das entsprechende Körperzentrum. Dabei nimmt sie wahr, welche Gedanken, Gefühle oder Impulse entstehen. Aus diesen Wahrnehmungen entwickelt sich nach und nach ein Bild davon, welche Bedürfnisse gerade präsent sind und welche Ressourcen bereits vorhanden sind. 

Aufstellung mit sogenannten Bodenankern nach dem Triadischen Prinzip mit den Körperzentren Herz, Kopf und Bauch sowie dem Kinderwunsch als zentrales Thema.

Bauch – Autonomie

Als die Klientin auf dem Bodenanker Bauch stand und ihre Aufmerksamkeit auf dieses Körperzentrum richtete, wurden zunächst Wut und Ohnmacht spürbar. Sie fühlte sich ihrer Situation ausgeliefert und hatte das Gefühl, nichts mehr beeinflussen zu können.

Mit diesem Satz veränderte sich ihr Blick auf die Wut. Sie war nicht länger nur belastend, sondern zeigte auch den Wunsch, den eigenen Weg trotz allem wieder aktiv mitzugestalten.

Herz – Beziehung

Auf dem Bodenanker Herz rückte die Trauer in den Vordergrund. Es ging nicht nur um den Schmerz, kein eigenes Kind zu bekommen, sondern auch um den Abschied von einem Lebensbild, das sie viele Jahre begleitet hatte. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, wie viel Kraft es sie gekostet hatte, diese Trauer immer wieder zur Seite zu schieben, um im Alltag zu funktionieren.

Mit der Trauer wurde auch das Bedürfnis nach Verbindung sichtbar – zu ihrer eigenen Sehnsucht, zu dem ungelebten Kind und zu Menschen, bei denen sie mit ihren Gefühlen nicht allein sein musste.

Kopf – Sicherheit

Auf dem Bodenanker Kopf zeigten sich die vielen Gedanken und Sorgen, die sie seit der Diagnose begleiteten. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um die Zukunft und die Frage, wie ihr Leben nun weitergehen könnte.

Im Verlauf der Aufstellung wurde deutlich, dass sie nicht sofort Antworten auf alle Fragen brauchte. Zunächst ging es darum, ihre Gedanken zu ordnen und zu unterscheiden, was jetzt entschieden werden musste – und was noch Zeit haben durfte.

Was sich durch die Aufstellung verändert hat

Nach der Aufstellung spürte die Klientin eine deutliche Erleichterung. Nicht, weil ihre Situation plötzlich einfacher geworden wäre. Auch Trauer, Wut und Unsicherheit waren nicht verschwunden. Der Unterschied war, dass sie diese Gefühle nicht länger als unüberschaubares Chaos erlebte. Sie konnte besser verstehen, was in ihr vorging und warum die verschiedenen Gefühle gleichzeitig da waren.

Mit diesem Satz brachte sie selbst auf den Punkt, was sich verändert hatte. Die Wut war für sie nicht länger nur belastend. Sie wurde zu einer Kraft, die ihr half, der Trauer mit mehr Verständnis zu begegnen, statt gegen sie anzukämpfen.

 

Die äußere Situation hatte sich nicht verändert. Verändert hatte sich ihr Blick darauf. Sie konnte ihre Gedanken und Gefühle besser einordnen und sich selbst mit mehr Verständnis begegnen. Genau das kann ein wichtiger Schritt sein, belastende Erfahrungen während des Kinderwunschwegs nach und nach zu verarbeiten.

So kannst du das Triadische Prinzip im Alltag nutzen

Du kannst das Triadische Prinzip auch im Alltag nutzen. Schon wenige Minuten bewusster Aufmerksamkeit können helfen, Gedanken, Gefühle und Impulse besser einzuordnen.

 

Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch. Nimm einfach wahr, was sich zeigt, ohne es sofort zu bewerten.

1. Halte kurz inne

Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich, welches Kernbedürfnis sich gerade am stärksten bemerkbar macht. Beziehung, Sicherheit oder Autonomie? 

 

Manchmal sind mehrere Bedürfnisse gleichzeitig betroffen. Dann kann es hilfreich sein, sie innerlich zu sortieren: Welches steht gerade an erster Stelle? Welches folgt danach? So wird klarer, was im Moment deine größte Aufmerksamkeit braucht.

2. Frage dich, was dieses Bedürfnis braucht

Frage dich nicht sofort: „Wie löse ich das?“ Sondern zunächst: Was möchte mir dieses Bedürfnis gerade sagen?

 

Vielleicht macht dich dein Bedürfnis nach Beziehung auf Einsamkeit aufmerksam. Vielleicht zeigt dir dein Bedürfnis nach Sicherheit, dass dir gerade Orientierung fehlt. Oder dein Bedürfnis nach Autonomie meldet sich, weil du das Gefühl hast, dein Leben drehe sich nur noch um den Kinderwunsch.

 

Allein diese Wahrnehmung kann schon entlasten. Denn oft wird dadurch klarer, was dich im Moment wirklich beschäftigt.

3. Überlege, was du diesem Bedürfnis anbieten kannst

Anschließend kannst du dich fragen: Was braucht dieses Bedürfnis jetzt von mir, damit es ihm ein wenig besser geht?

 

Vielleicht braucht dein Bedürfnis nach Beziehung jemanden, bei dem du dich mit deiner Traurigkeit nicht zusammenreißen musst.

 

Vielleicht braucht dein Bedürfnis nach Sicherheit nicht noch mehr Informationen aus dem Internet, sondern das Gefühl, dass der nächste Schritt für den Moment ausreicht.

 

Vielleicht braucht dein Bedürfnis nach Autonomie die Erfahrung, dass dein Leben trotz aller Ungewissheit weitergeht – indem du etwas planst, worauf du dich freust, ein neues Projekt beginnst oder dir bewusst Zeit für etwas nimmst, das nichts mit dem Kinderwunsch zu tun hat.

 

Gerade beim unerfüllten Kinderwunsch wird sich nicht jedes Bedürfnis vollständig erfüllen lassen. Du kannst vieles tun, um deinen Kinderwunsch zu unterstützen. Ob er sich letztlich erfüllt, liegt jedoch nicht vollständig in deiner Hand.

 

Trotzdem kannst du jedem Bedürfnis etwas anbieten, das ihm guttut. Häufig wird dabei spürbar, dass die körperliche Anspannung nachlässt, das Durchatmen leichter fällt und sich wieder mehr Ruhe, Lebendigkeit oder Verbundenheit mit sich selbst einstellt.

Häufige Fragen zum Verarbeiten eines unerfüllten Kinderwunsches

 Ja. Verarbeiten bedeutet nicht, den Kinderwunsch aufzugeben oder mit ihm abzuschließen. Es bedeutet, die Erfahrungen, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse, die während des Kinderwunschwegs entstehen, Schritt für Schritt wahrzunehmen und einzuordnen.

 

Verarbeitung unterstützt dabei, mit dem Stress und dem inneren Druck, die während des Kinderwunschwegs immer wieder entstehen, bewusster umzugehen. Dadurch weitet sich der Blick wieder. Der Kinderwunsch bleibt zwar wichtig, bestimmt aber nicht mehr jeden Gedanken und jede Entscheidung.

Beim unerfüllten Kinderwunsch gibt es immer wieder Situationen, die Gefühle wie Trauer, Wut, Neid oder Hoffnung auslösen können: ein Arzttermin, eine Schwangerschaft im Freundeskreis, Familienfeiern, Werbung mit glücklichen Familien oder Beiträge in den sozialen Medien.

 

Das zeigt, wie viele Bereiche des Lebens ein unerfüllter Kinderwunsch berührt. Verarbeitung hilft dabei, die eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse besser zu verstehen. Mit diesem Verständnis verändert sich oft auch der Umgang mit belastenden Situationen. Viele Menschen erleben, dass sie ihnen mit der Zeit ruhiger und gelassener begegnen können.

Ein erster Schritt ist, nicht sofort nach einer Lösung zu suchen, sondern wahrzunehmen, was gerade in dir vorgeht. Das Triadische Prinzip kann dabei helfen, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse besser einzuordnen. So entsteht häufig mehr Orientierung und ein bewussterer Umgang mit den Belastungen des Kinderwunschwegs.

Ja. Im Coaching entsteht Raum, gemeinsam auf das zu schauen, was gerade wirklich wichtig ist. Was sich über Monate oder Jahre immer mehr verstrickt hat, wird Schritt für Schritt verständlicher. Das schafft die Grundlage für neue Orientierung und mehr Vertrauen in den eigenen Weg.

Wenn das Leben wieder größer wird

Niemand weiß, welchen Verlauf ein Kinderwunsch nimmt. Manchmal tritt die ersehnte Schwangerschaft schon nach wenigen Monaten ein, manchmal dauert es Jahre – und manchmal bleibt der Kinderwunsch unerfüllt.

 

Gerade weil der Verlauf eines Kinderwunschs nicht vorhersehbar ist, verdient auch die eigene psychische Stabilität von Anfang an Aufmerksamkeit. Belastende Erfahrungen können unterwegs wahrgenommen, eingeordnet und verarbeitet werden. Das unterstützt dabei, Stress und inneren Druck immer wieder zu regulieren und den Blick auf das zu richten, was im Leben ebenfalls wichtig ist.

 

Wer die eigene innere Stabilität während des Kinderwunschwegs im Blick behält, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass der Kinderwunsch nicht immer mehr Raum einnimmt. Er bleibt ein wichtiger Teil des Lebens – aber nicht der einzige. Auch Beziehungen, Freundschaften, Arbeit, Interessen und die kleinen Momente des Alltags dürfen ihren Platz behalten.

 

Wenn du das Gefühl hast, dass sich im Laufe der Zeit zu viel angesammelt hat oder du dir wünschst, mit den Belastungen des Kinderwunschwegs bewusster umzugehen, begleite ich dich gerne dabei.

In einer kostenfreien Erstberatung schauen wir gemeinsam auf deine Situation und klären, wie ich dich auf deinem Weg unterstützen kann.

Die Autorin

Claudia Moser ist Systemische Coach. In ihrem Coaching arbeitet sie unter anderem mit dem Triadischen Prinzip nach Gabriela von Witzleben sowie systemischen Methoden und PEP®. Sie begleitet Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch dabei, Gedanken und Gefühle zu sortieren, neue Klarheit zu gewinnen und einen stimmigen Umgang mit ihrer Situation zu finden.

 

Den unerfüllten Kinderwunsch kennt sie auch aus eigener Erfahrung. Gemeinsam mit ihrem Mann lebt sie in Karlsruhe und verbindet in ihrer Arbeit systemisches Coaching mit fundierten Methoden und persönlicher Erfahrung. Hier findest du mehr über ihr Coaching Angebot.

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