Unerfüllter Kinderwunsch:
9 mentale Strategien
für mehr innere Stabilität

Von Claudia Moser, systemische Coach für Kinderwunsch

Mann sitzt mit Mann sitzt in den Bergen und blickt ins Tal – innere Stabilität bei unerfülltem Kinderwunsch

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann innerlich viel in Bewegung bringen. Hoffnung und Enttäuschung wechseln sich ab, Entscheidungen stehen an und vieles bleibt ungewiss. Gerade weil sich nicht alles beeinflussen lässt, macht es einen Unterschied, wie du mit Gedanken, Gefühlen und schwierigen Situationen umgehst.

Mentale Strategien sollen nicht dabei helfen, unangenehme Gefühle wegzumachen oder immer positiv zu denken. Es geht vielmehr darum, möglichst stabil zu bleiben, sich nicht zusätzlich unter Druck zu setzen und den eigenen Handlungsspielraum im Blick zu behalten.

Die folgenden neun Strategien können dabei Orientierung geben.

1. Die eigene Situation annehmen, ohne sie gut finden zu müssen

Annehmen kann nach Aufgeben klingen – besonders, wenn du dir sehr wünschst, dass sich etwas verändert. Gemeint ist etwas anderes: die Situation so anzuerkennen, wie sie im Moment ist, ohne sie gut finden zu müssen oder die Hoffnung aufzugeben.

Dass man sich innerlich dagegen wehrt, ist verständlich. Dieser Widerstand kostet aber Kraft. Wenn er etwas nachlässt, wird wieder mehr Energie frei für konstruktive Fragen wie: Was könnte mein nächster Schritt sein?

2. Erst mal nur den nächsten Schritt klären

Wenn vieles ungewiss ist, sucht der Kopf nach Sicherheit. Wie geht es weiter? Was, wenn die nächste Behandlung nicht klappt? Und was machen wir dann?

Aber nicht jede Eventualität lässt sich im Voraus durchdenken. Vieles zeigt sich erst im weiteren Verlauf. Dann kann es entlasten, sich bewusst auf den nächsten Schritt zu konzentrieren: Was kann ich jetzt tun oder entscheiden? Alles Weitere wird erst einmal zurückgestellt.

Nicht alles, was irgendwann relevant werden könnte, muss heute schon geklärt werden.

3. Gefühle nicht wegdrücken müssen

In der Kinderwunschzeit können ganz unterschiedliche Gefühle auftauchen – auch solche, die man lieber nicht hätte. Gerade unangenehme Gefühle möchten wir häufig möglichst schnell wieder loswerden.

Doch es kostet Kraft, ständig anders fühlen zu wollen, als man gerade fühlt. Versuche stattdessen einmal wahrzunehmen und zu benennen, was da ist: Ich bin gerade traurig. Ich bin wütend. Ich bin neidisch. Ich habe Angst. Du musst das Gefühl weder gut finden noch dich lange damit beschäftigen.

Allein anzuerkennen, wie es dir gerade geht, kann verhindern, dass zum eigentlichen Gefühl noch der Kampf dagegen kommt. Und häufig wird dadurch auch klarer, was du im Moment brauchst – Abstand, Ruhe, Bewegung, ein Gespräch oder einfach etwas ganz anderes.

Ein möglicher Stärkungssatz wäre: Auch wenn ich mich mit anderen vergleiche und mich dadurch selbst unter Druck setze, gefällt mir der Gedanke, zwischendurch Urlaub vom Kinderwunsch zu nehmen.

Mehr darüber, wie du Erfahrungen und Gefühle während des Kinderwunschwegs verarbeiten kannst, findest du in meinem Beitrag Unerfüllter Kinderwunsch verarbeiten.

4. Nicht jeder Gedanke ist wahr

In der Kinderwunschzeit können Gedanken schnell sehr überzeugend wirken: Bei mir klappt es bestimmt nie. Ich halte das nicht mehr lange aus. Alle anderen kommen weiter, nur ich nicht. 

Manche dieser Gedanken entstehen aus der aktuellen Unsicherheit. Andere begleiten uns vielleicht schon lange – weil wir bestimmte Sätze, Bewertungen oder Ängste von Eltern oder anderen wichtigen Menschen übernommen haben, ohne sie je wirklich zu hinterfragen.

Dass ein Gedanke vertraut klingt oder immer wieder auftaucht, bedeutet aber noch nicht, dass er stimmt. Hilfreich ist deshalb, kurz zu prüfen: Was weiß ich wirklich? Was befürchte ich nur? Und ist das überhaupt meine eigene Sicht auf die Situation?

Diese Unterscheidung kann helfen, Gedanken realistischer einzuordnen.

5. Unterscheide, was du beeinflussen kannst – und was nicht

Nicht alles lässt sich planen oder steuern. Ob eine Behandlung erfolgreich ist, wie schnell etwas klappt oder wie andere Menschen reagieren, liegt nur zum Teil oder gar nicht in deiner Hand. Gleichzeitig gibt es Dinge, auf die du Einfluss hast – zum Beispiel, welche Informationen du dir holst, welche Entscheidungen du triffst oder wie du mit deiner Kraft umgehst.

Frag dich deshalb: Kann ich persönlich daran gerade etwas verändern? Wenn ja, richte deine Aufmerksamkeit auf das, was du konkret beeinflussen kannst. Wenn nein, versuche, deine Energie stärker auf das zu lenken, was du tatsächlich gestalten kannst.

6. Setze dich nicht zusätzlich unter Druck

Wenn ohnehin schon vieles ungewiss ist, kommen schnell noch eigene Ansprüche dazu: Ich müsste gelassener sein. Ich sollte positiver denken. Ich darf mich davon nicht so mitnehmen lassen.

Solche Gedanken machen die Situation meist nicht leichter. Frag dich deshalb eher: Was würde ich einem guten Freund oder einer guten Freundin in dieser Situation raten? Vielleicht weniger funktionieren, eine Verabredung absagen oder eine Entscheidung noch nicht treffen.

Es geht nicht darum, alles laufen zu lassen, sondern den eigenen Druck dort zu reduzieren, wo er dir gerade nichts bringt.

Wenn du merkst, dass Stress und innerer Druck immer mehr Raum einnehmen, findest du dazu weitere Anregungen in meinem Beitrag Stress bei Kinderwunsch.

7. Lass den Kinderwunsch nicht alles bestimmen

Je länger der Kinderwunsch dauert, desto leichter kann er immer mehr Platz im Alltag einnehmen. Termine, Gedanken, Entscheidungen und Pläne richten sich zunehmend danach aus.

Versuche deshalb bewusst, auch andere Bereiche deines Lebens wichtig zu halten: Menschen, die dir guttun, Arbeit, Bewegung, Reisen, Interessen oder Dinge, auf die du dich freust. Nicht als Ablenkung, sondern weil dein Leben aus mehr besteht als aus diesem einen Wunsch.

Die Frage kann dabei sein: Was möchte ich trotz allem in meinem Leben nicht aus den Augen verlieren?

8. Nutze die Erfahrung, die du längst hast

Unsicherheit kann dazu führen, dass du dich innerlich plötzlich kleiner, jünger oder unerfahrener fühlst, als du tatsächlich bist. Fast so, als würdest du in dieser Situation ein Stück schrumpfen.

Wenn du das bemerkst, kann es helfen, dich bewusst an dein heutiges Alter und deine gesamte bisherige Lebenserfahrung zu erinnern. Sag dir zum Beispiel: Mit der ganzen Kompetenz und Erfahrung meiner 35 Jahre  schaue ich jetzt auf diese Situation.

Damit ist die Unsicherheit nicht automatisch weg. Aber du beurteilst die Situation wieder mit all dem, was du in deinem bisherigen Leben gelernt, entschieden und bewältigt hast.

9. Hoffnung und Realität gleichzeitig im Blick behalten

Hoffnung kann durch eine lange Kinderwunschzeit tragen. Schwierig wird es, wenn Hoffnung dazu führt, die eigene Situation oder die eigenen Grenzen nicht mehr realistisch anzuschauen.

Versuch deshalb, beides nebeneinander stehen zu lassen: Was wünsche ich mir sehr – und was zeigt mir meine aktuelle Situation? Das eine muss das andere nicht aufheben.

So kannst du hoffnungsvoll bleiben und trotzdem Entscheidungen treffen, die zu dem passen, was im Moment realistisch und für dich stimmig ist.

Wenn für dich zunehmend auch die Frage auftaucht, wie lange du deinen Kinderwunschweg noch weitergehen möchtest, findest du dazu weitere Gedanken auf der Seite Kinderwunsch aufgeben.

Wenn du dir Unterstützung wünschst

Vielleicht kennst du viele dieser Gedanken und Strategien bereits – und trotzdem gelingt es dir nicht immer, sie im Alltag umzusetzen. Gerade wenn sich bestimmte Themen immer wiederholen oder du bei einer Entscheidung festhängst, kann es hilfreich sein, die eigene Situation mit etwas Abstand zu sortieren.

Im Kinderwunsch-Coaching schauen wir gemeinsam darauf, was dich gerade beschäftigt, was du beeinflussen kannst und was dir helfen könnte, wieder klarer und stabiler mit deiner Situation umzugehen.

Wenn du dir persönliche Unterstützung wünschst, kannst du hier ein kostenfreies Erstgespräch buchen.

Die Autorin

Claudia Moser ist systemische Coach und zertifizierte PEP®-Anwenderin. Seit 2016 arbeitet sie als Coach, seit 2021 hat sie sich auf die Begleitung von Frauen, Männern und Paaren rund um Kinderwunsch und ungewollte Kinderlosigkeit spezialisiert. Sie kennt die Kinderwunschzeit auch aus eigener langjähriger Erfahrung.

Mehr über Claudia Moser und ihre Arbeitsweise erfährst du auf der Seite Über mich.

kinderlosgluecklich_claudia-moser_v3